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Fussball-Bundesliga 2007/2008, 10.Spieltag
[Samstag, 20.10.2007 – 15.30 Uhr] 1.FC Nürnberg – Eintracht Frankfurt 5:1 (1:1)

0:1 (11.) Naohiro Takahara
1:1 (20.) Angelos Charisteas
2:1 (50.) Marek Mintal
3:1 (54.) Zvjezdan Misimovic (Foulelfmeter)
4:1 (64.) Marek Mintal
5:1 (82.) Joshua Kennedy

Endlich, endlich, endlich! Franken atmet auf – wir können es noch. Und vor allem haben wir jetzt einen Angstgegner weniger, denn die Eintracht aus Frankfurt, die für eine gewisse Zeit als unschlagbar für den Club galt, hat nun aus den letzten beiden Gastspielen im Max-Morlock-Stadion die desaströse Bilanz von Null Punkten und 1:9 Toren. Dabei fing auch an diesem Samstag wieder alles an wie gehabt. Der Club spielte sich gerade warm, da tauchten die Hessen in Person von Naohiro Takahara zum ersten Mal vor Jaromir Blazek auf und nach elf Minuten stand es 0:1. Ruhe im Stadion, doch zum Glück auch hohe Konzentration auf dem Rasen. Schließlich war noch genügend Zeit.
Trotzdem war es sicherlich hilfreich, dass der Ausgleich bereits acht Minuten nach dem Gegentreffer fiel. Jan Krisitiansen hatte in der 20. Minute einen Freistoß aus dreißig Metern mit dem linken Fuss an den rechten Pfosten geknallt – und Angelos Charisteas tat endlich das, was er in der griechischen Nationalelf schon so oft gezeigt hatte und was er einfach am besten kann: Abstauben.
Der Rest der ersten Hälfte tröpfelte dann ein wenig dahin. Die Clubberer, die übrigens wieder im Pokal-Weiß aufgelaufen waren, waren bemüht, ihre Nervosität und Unsicherheit in den Griff zu bekommen, wurden jedoch zum Glück von gut agierenden Frankfurtern nicht bestraft. So blieb ein zu Recht nicht gegebenes Abseitstor von Ioannis Amanatidis der einzige Aufreger für den Rest der ersten Halbzeit. Wie sagte Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel nach dem Spiel so treffend: „Wenn mir in der Halbzeit jemand gesagt hätte, dass wir hier noch 1:5 verlieren, hätte ich es nicht geglaubt.“
Doch der Club kam nach dem Pausentee wie verwandelt aus der Kabine. Vor allem Marek Mintal und Zvjezdan Misimovic machten Druck nach vorne, während auch die Hintermannschaft um Thomas Galasek mehr und mehr an Sicherheit gewann. In der 47. Minute zog Marek Mintal einen herrlichen Volleyschuss noch am Frankfurter Tor vorbei. Nur zwei Minuten später bekam er den Ball von Angelos Charisteas jedoch derart mustergültig aufgelegt, dass die 2:1-Führung die logische Konsequenz sein musste. Erneut Charisteas war es dann, der nur wenige Minuten später von Frankfurts Keeper Pröll nur noch per Foul zu stoppen war. Misimovic behielt die Nerven und verwandelte den Elftmeter in der 54. Minute zum beruhigenden 3:1.
Der Club spielte sich nun fast in eine Art Rausch und gab sich mit der sicheren Zweitore-Führung keineswegs zufrieden. Und so klingelte es nur zwei Minuten später schon wieder im Hessen-Kasten. Allerdings hatte Jan Kristiansen im Abseits gestanden und so dauerte es dann bis in die 65. Minute, ehe es wirklich 4:1 stand. Misimovic hatte eine Ecke von rechts getreten. Sotirios Kyrgiakos wehrte den Ball per Kopf genau vor die Füsse von Marek Mintal ab und der Slowake bedanke sich mit seinem zweiten Tagestreffer. Das 4:1 war schließlich die endgültige Entscheidung und so konzentrierten sich die Männer von Hans Meyer auf das i-Tüpfelchen eines wundervollen Fußballnachmittags.
Nachdem bei Angelos Charisteas der Knoten mit dem ersten Saisontreffer endlich geplatzt war, musste nun noch Joshua Kennedy in die Torschützenliste eingereiht werden. Der junge Australier brauchte letztlich zwei Großchancen, die er freistehend vor dem Pröll-Tor versiebte, ehe es in der 82. Minute ein Hackentrick war, der endlich den gewünschten Erfolg zum 5:1 brachte. Der Rest war eine riesige Feier und das Max-Morlock-Stadion ein einziger Chor. Es ist erst ein erster Schritt in die richtige Richtung und es müssen in den nächsten Wochen weitere folgen, damit dieser herrliche Fussballnachmittag nicht umsonst war. Doch mit dem frisch getankten Selbstbewusstsein läuft das in den nächsten Wochen vielleicht auch ein wenig leichter von der Hand. Immerhin kann man seit dem Kantersieg gegen den Ex-Angstgegner den Klassenerhalt wieder aus eigener Kraft schaffen.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Faszination Fußball

Eigentlich gibt es doch auf dieser Welt nur zwei Arten von Menschen. Auf der einen Seite die, die Fußball lieben und auf der anderen die, die Fußball hassen. Genauer gesagt: Auf der anderen Seite die, die keine Ahnung haben und hier auf unserer Seite die wahren Liebhaber, die Genussmenschen, die Emotionalen. Allein 45.000 dieser Gattung Mensch versammelten sich auch am letzten Samstag wieder im Nürnberger Max-Morlock- Stadion. Schade eigentlich für die Ahnungslosen, die nicht da waren, denn selten hätten sie mehr lernen können über die Faszination Fussball als an diesem Samstag.
Allein schon die Grundregel: Man weiß nie, was passiert. Und ehrlich – keiner hat es geahnt. Gehofft vielleicht, dafür gebetet. Aber gewusst? Aus tiefstem Herzen der Überzeugung auf ein 5:1 getippt? No way!!! Schon gar nicht nach dieser ersten Halbzeit.
Also mal wieder Mund abwischen und durch. Ein knapper Heimsieg würde es nach der langen Zeit ja auch mal wieder tun. Gesagt, getan, doch umso länger die zweite Halbzeit dauerte, desto mehr war man versucht, sich die Augen zu reiben. War das der verunsicherte Pokalsieger, der sich vor gerade mal zwei Wochen bei den Bauern schon mit dem Anpfiff ergeben hatte? Allein die Kombination verunsichert und Pokalsieger – wie passt das denn zusammen? Wenn man einen Pokal gewinnt sollte man da nicht eigentlich….? Eben! Prinzip begriffen: Faszination Fußball.
Da humpelt ein Angelos Charisteas wochenlang über den Platz, wird, dem Gesetz der Presselandschaft folgend, bereits als Fehleinkauf abgestempelt und lässt sogar den ein oder anderen Clubfan schon aufatmen, wenn er nicht aufgestellt wird.
Dann bei der Nationalmannschaft das schwerste Abstaubertor der Fussball-Geschichte mit vier Ballberührungen in weniger als einer Sekunde und vor allem: Endlich auch das erste Tor im Clubtrikot. Dazu eine Vorlage, ein herausgeholter Elfmeter – das Wort Fehleinkauf konnte man am Samstag jedenfalls nicht mehr vernehmen. Das dauert nun wieder mindestens ein paar erfolglose Spiele, die hoffentlich nie kommen werden. Genauso wie der Begriff Chancentod für… na, wen wohl?
Joshua Kennedy müht sich und arbeitet, doch das rechte Glück hat der Australier in der Bundesliga bisher noch nicht gehabt. Auch am Samstag hat Kennedy zunächst zwei Bälle derart hilflos am Tor vorbeigesemmelt, dass die Oma eines jeden Clubfans blass wurde – aus Angst, sie müsse nun ran. Doch keine Angst, liebe Omis: Der Joshua hat zum Schluss seine Bude noch gemacht. Und zwar nicht einfach nur so oder vielleicht sogar pragmatisch einfach nur um den Erfolg bemüht.
Nein, der Kennedy zirkelt die Lederkugel mit der Hacke am Frankfurter Keeper vorbei. Genausowenig wie die meisten Clubberer auf den Rängen die ersten beiden Chancen vergeben hätten, hätten sie diesen Ball so reingemacht. Und zu allem Überfluss trifft dann auch der Marek noch. Und wie! Zwei Mal! Das Phantom ist wieder da und als sei auch sie ein Phantom, taucht nun wenig später sogar die Euphorie plötzlich wieder auf. Denn schließlich ist der Klassenerhalt mit nur einem Sieg endlich geschafft. Wer Frankfurt mit 5:1 aus dem Stadion fegt, kann nicht absteigen.
Doch obwohl – erinnern wir uns an die Faszination Fußball. An das, was die Jagd nach dem runden Leder so spannend macht. Richtig: Die Tatsache, dass Niemand wirklich sagen kann, wie es am Ende steht. Die Tatsache, dass Wettanbieter reicher und reicher werden, obwohl an jedem Stammtisch der Republik mindestens drei Nationaltrainer sitzen.
Also Club, halt Dich ran. Denn auch, wenn die Faszination Fußball evtl. ein wenig drunter leiden würde, wenn wir den Rest der Saison alle Spiele mit 5:1 gewinnen würden – wir würden uns trotzdem freuen!!!

Galerie

Berliner Besuch in Nürnberg

Es gibt Tage, da passt einfach alles. Albert, Torsten und seine Eltern, AndiAlone, Sandra und auch der Disorder haben sich ausgerechnet für das Frankfurt-Spiel auf den Weg nach Nürnberg gemacht und sind mal so richtig belohnt worden. Wobei sich bis heute standhaft die Meinung hält, dass der hohe Sieg nur deshalb zustande kam, weil AndiAlone seine Schwester dabei hatte. Torsten hat dann auf der Rückfahrt im Zug noch versucht, das Spiel auf der Playstation-Portable nachzuspielen. So ganz gelungen ist es ihm nicht.