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Fussball-Bundesliga 2007/2008, 9.Spieltag
[Sonntag, 07.10.2007 – 17.00 Uhr] Bayern München – 1.FC Nürnberg 3:0 (2:0)

1:0 (31.) Luca Toni
2:0 (39.) Zé Roberto
3:0 (81.) Luca Toni

Der Telekom-Verein von der Isar hat am späten Sonntag Nachmittag dem ruhmreichen FCN keine Chance gelassen und mit 3:0 (2:0) die Tabellenführung verteidigt. Obwohl selbst der Pay-TV- Sender und Kommerztreiber Premiere inzwischen verzweifelt fragt, wer denn die Bauern mal stoppen kann, haben die Millionarios aus dem Süden der Republik keinen Zweifel daran gelassen, was sie am besten können: Nämlich nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn die Meisterschaft nach 17 Spieltagen entschieden ist.
Wer will denn schon die Premiere-Konferenz noch sehen, wenn zwischendrin immer wieder mit den Worten „Tor für die Bauern“ unterbrochen wird?! Richtig!!! Trotzdem setzten sich auch heute wieder ein paar unbelehrbare Fussballhasser hin, zogen die weißen Shirts über und wussten eigentlich ganz genau, dass das „T…“ auf der Gegengerade für den Tod des Fussballs steht. Danke, München, für nichts!!! Was kriegen diese Leute eigentlich dafür? Einen kostenlosen Telefonanschluss, der sowieso nie funktioniert?
Schwamm drüber – auch über „das Spiel“ als solches. Die Leichtfüßigkeit mit der Luca Toni durch die gegnerischen Strafräume tänzelt, lässt den gemeinen Fan nicht umsonst an Suzanne Vegas Superhit denken…. Egal, ob man den Song nun mag oder nicht: Kommerz halt und Hit ist Hit.
Also macht Ze Roberta dann auch vor dem Pausenpfiff noch das 2:0 und allein die wahren Hans-Meyer-Fans wissen, dass dies Teil der Trainergott-Taktik des „In-Sicherheit-Wiegens“ist. Entsprechend dieser Taktik aus dem Lehrbuch des erfolgreichen Sozialismusfussballs darf dann in der Halbzeit auch Matthias Sammer noch in das Mikrofon eines bedeutenden Provinzradiosenders meckern, dass bei den Bauern zu viele Leiharbeiter auf dem Acker (Entschuldigung – auf dem Rasen) stehen.
Zum Glück kann ein Marcel Reiff in der zweiten Halbzeit das Bild wieder gerade rücken. Sportreporter durch und durch – eben wie er nun mal ist – feiert er die deutsche Meisterschaft der Bauern schon mal vor und ignoriert geflissentlich die durchaus vorhandenen Möglichkeiten der Clubberer in der zweiten Halbzeit. Gestattet sei die Frage, ob den Herrn Reiff überhaupt noch Jemand als Sportreporter kennt, oder ob sein ständiges Versagen bei der SKL-Show auf RTL (der Sender, der  auf Qualität statt Kommerz setzt) nicht inzwischen viel bekannter ist. Ottmar Hitzfeld jedenfalls hat das richtige Spiel beobachtet: „Wenn Kennedy das Tor macht, ist Nürnberg wieder dran.“ Gemeint ist die Situation, in der Joshua Kennedy frei vor dem Tor von Rensing-für-Deutschland-wenns-um-dem-Uli-Hoeness seine-Meinung-geht auftaucht. Der Australier köpft jedoch knapp vorbei und lässt die hochrote Farbe aus dem Gesicht des Wurstfabrikanten wieder entschwinden.
Also darf in der 81. Minute noch einmal der Held aus Suzanne Vegas Pophit ran und der geneigte Mitläuferfan fragt sich, warum die Telekom den Hit noch nicht für sich entdeckt hat…. Wahrscheinlich, weil auch an diesem Spieltag die Auswärtsfans mal wieder lauter gesungen haben als der gesamte Rest der Retortenarena. Jedes weitere Wort über den späten Sonntagnachmittag in München wäre also genauso vergebens wie der Versuch, Uli Hoeneß‘ Fehlschuss bei der EM 1976 in Jugoslawien zu erklären. Freuen wir uns also auf die frühe Entscheidung in der Meisterschaft und hoffen wir gleichzeitig darauf, dass der Herr Wurstfabrikant sich nicht irgendwann mit Herrn Rummgezicke (sorry, Rummenigge) gemeinsam zum Herzinfarkt langweilt. Liebe Bauern, steigt doch endlich in die Champions League auf – denn in der Bundesliga will Euch keiner mehr sehn.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Mittelmäßiges Deutschland

Sieben Clubspiele in drei Wochen. Wann hat es sowas das letzte Mal gegeben? Nun gut, sieben Clubspiele und kein einziger Sieg dabei – das hat es ja nun leider schon öfter gegeben. Doch im Gegensatz zu „Öfter“ bleibt dieses Mal im Umfeld des Clubs alles ruhig. Kein Präsident, der seinen Trainer rausschmeisst, keine wütenden Fans, die nicht mehr ins Stadion gehen – irgendwie Alles anders beim Club. Sportdirektor Martin Bader spricht vom Vorschussvertrauen. Bange machen gilt nicht und sobald die verletzten Vittek und Pinola wieder dabei sind, rollen wir das Feld von hinten auf. Na, hoffentlich…..
….und wie willkommen sind da die Zusatzeinnahmen aus dem internationalen Geschäft. Der Club in der Gruppenphase – wann hat es da denn das letzte Mal gegeben? Ich kann mich nicht daran erinnern. Auf alle Fälle kann mit dem Geld aus dem UEFA-Cup im Winter noch einmal nachgelegt werden. Vorne und hinten sollte es schon noch Einer sein – im Mittelfeld braucht’s eigentlich Niemanden, denn Kluge und Misimovic erledigen ihre Aufgaben richtig gut.
Neben den Zusatzeinnahmen ist jedoch natürlich auch die zu sammelnde internationale Erfahrung nicht zu unterschätzen. Gerade für die jungen Spieler wie Spiranovic oder auch Reinhardt ist ein Auftritt auf europäischem Parkett Gold wert. Ihre erste große Bewährungsprobe haben die Jungs in Bukarest bestanden – alles weitere ist nun die Kür. Und dass es auch für deutsche Vereine inzwischen längst nicht mehr selbstverständlich ist, die erste Runde im UEFA-Cup zu überstehen, wissen wir nicht erst seit dem Erstrunden-Aus von Schalke in der letzten Saison.
Und auch, wenn sich im kleinen Europapokal letztlich alle vier deutschen Teilnehmer durchsetzen konnten, zeigen unsere Champions in ihrer League momentan ja überdeutlich, welchen Wert die Bundesliga in Europa und damit in der Welt noch hat. Eigentlich verwunderlich, wenn man sieht, auf welchem Weg die Nationalmannschaft inzwischen wieder ist. Vielleicht liegt es ja im Vereinsfussball aber auch einfach nur daran, dass in der letzten Saison die falsche Mannschaft deutscher Meister geworden ist. Wie haben sie sich schließlich letzte Saison gestritten und eigentlich wollte doch Keiner so richtig. Da haben sich die Stuttgarter dann doch noch breit schlagen lassen und jetzt bekommen sie die Quittung dafür.
Wären doch die Bauern bloß letztes Jahr auch deutscher Meister geworden. Dann würden sie mit ihrem Traumsturmduo nicht nur die Bundesliga in tiefste Langeweile stürzen, sondern auch die Champions League beherrschen. Und dann müsste sich auch kein Mensch über den UEFA-Koeffizienten so seine Sorgen machen. Vielleicht wäre ein verbrieftes Recht für die Bauern ja die Lösung. Und vielleicht sollte man dem Kommerzclub schlechthin für seine Leistung die deutsche Meisterschaft schon einmal ehrenhalber für die nächsten zwanzig Jahre verleihen. Das wäre doch die Lösung aller Probleme des deutschen Vereinsfußballs.
Kombiniert mit der Bitte von Herrn Sammer, doch wieder mehr deutsche Spieler einzusetzen, gäbe das eine rasante Mischung. Keine Ausländer mehr, die sich für ihren deutschen Verein sowieso nicht richtig reinknien und keine Glücksmeister mehr wie die Stuttgarter, die dann die ganze Fünf-Jahres-Wertung versauen. Das wäre schön. Dann könnte man den Abstieg auch gleich vor der Saison regeln und als Clubberer wüsste man endlich von Anfang an, ob man sich nun Sorgen machen muss oder ob die Gelassenheit dieser Tage genau die richtige Einstellung ist.