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Fussball-Bundesliga 2007/2008, 8.Spieltag
[Samstag, 29.09.2007 – 15.30 Uhr] VfL Bochum – 1.FC Nürnberg 3:3 (1:1)

0:1 (40.) Peer Kluge
1:1 (43.) Stanislav Sestak
1:2 (60.) Peer Kluge
2:2 (62.) Marcin Mieciel
3:2 (66.) Stanislav Sestak
3:3 (81.) Zvjezdan Misimovic

Zweimal geführt und am Ende noch froh, überhaupt einen Punkt geholt zu haben – das gibt es nur beim Club. Ein Spiel wie die Gesamtsituation: Alles, was man sich aufgebaut hat, nur kurz danach scheinbar wieder zerstört und am Ende doch mit einem blauen Auge vom Platz gehumpelt.
„Das 3:3 ist am Ende ein korrektes Ergebnis. Damit können wir alle leben. Es ist ein Trippelschritt.“, fasste Trainergott Hans Meyer nach dem Spiel die verrückten 90 Minuten von Bochum zusammen. Mit dem Wissen, dass momentan jeder Punkt wichtig ist, begann der Club druckvoll, im Rahmen seiner Möglichkeiten auch gefällig, schaffte es jedoch nur selten die passiv agierenden Bochumer richtig unter Druck zu setzen. Den ersten Hochkaräter vergab Jan Kristiansen in der 24. Minute als er aus kurzer Entfernung mit einem Kopfball am glänzend reagierenden Bochumer Keeper Jan Lastuvka scheiterte.
In der 39. Minute fasste sich Andreas Wolf ein Herz und zog aus 30 Metern einfach mal ab. Der Ball flatterte leider am Tor vorbei, war jedoch so etwas wie eine letzte Warnung an die Bochumer. Nur eine Minute später setzte sich Ivan Saenko beherzt auf der linken Seite durch, scheiterte zwar noch an Lastuvka, doch Peer Kluge behielt die Übersicht und ließ das Herz eines jeden Clubberers höher schlagen.
Dass das Clubberer-Herz nicht zu hoch schlägt, dafür sorgte nur drei Minuten später unsere blutjunge Abwehr. Mathias Concha hatte auf der rechten Seite allen Platz und alle Zeit der Welt, um seine Hereingabe genau zu platzieren. Debütant Ralf Schmidt konnte zwar noch klären – doch leider nur genau vor die Füsse von Stanislav Sestak.
Mit dem 1:1 ging es zum Pausentee, der bei den Bochumern scheinbar Kräfte frei gesetzt hatte. Der VfL agierte nun wesentlich druckvoller und erspielte sich die Platzhoheit. Umso überraschender das zweite Tor vom Club. Der überragende Peer Kluge setzte auf der rechten Seite gut nach und belohnte sich seinen Einsatz in der 60. Minute mit einem trockenen Schuß ins kurze Eck zum 2:1.
Doch Duplizität der Ereignisse – und dieses Mal dauerte es gar nur 120 Sekunden und der Ball zappelte im Clubtor. Marcin Mieciel bedankte sich bei Dominik Reinhardt für seine schlampige Abwehr. Doch damit nicht genug. Der Club wäre ja nicht der Club, wenn er auf jedes Deppentum nicht noch einen draufsetzen könnte. Schade nur, dass der fleissige und emsige Thomas Galasek beim 2:3 die tragische Figur sein musste. Er fälschte eine Hereingabe von Concha derart unglücklich ab, dass der Ball an Freund und Feind vorbeifliegt und Sestak am langen Pfosten nur den Fuss hinhalten muss.
Doch während der ein oder andere Erfolgsfan nun endgültig den Kopf hängen ließ, rappelte sich die Rumpftruppe von Hans Meyer noch einmal auf. Vor allem Peer Kluge peitschte seine Mannschaftskameraden immer wieder nach vorne und war in allen Belangen bester Spieler auf dem Platz. Als Belohnug gab es nach den zwei Treffern noch einen Assistpunkt in der 81. Minute. Zvjezdan Misimovic trifft in dem Stadion zum Ausgleich, in dem er lange Jahre seine Heimspiele bestritten hat.
Am Ende gibt es also doch noch einen Punkt für den Club – nachdem man zuvor schon drei Punkte in der Hand hielt. Dennoch – und auch wenn es nun schon drei Punkte zum rettenden Ufer sind – Bange machen gilt nicht. Die Moral in der Mannschaft stimmt und zumindest auswärts kann sich die Bilanz des Clubs durchaus sehen lassen. Das macht doch Mut für Donnerstag – zumal das Ergebnis aus Bochum in Bukarest fürs Weiterkommen reichen würde.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Karl-Heinz R. aus M.

Wann hat es das für Clubfans das letzte Mal gegeben…. drei englische Wochen hintereinander… Spiel um Spiel und momentan leider auch: Enttäuschung um Enttäuschung. Der Europapokal macht’s möglich und ganz ehrlich – als ungeübter Fan kann man da schon auch mal ins Schwitzen geraten. Da bleibt ja schließlich zwischen den Spielen nicht wirklich viel Zeit, sich um die profanen Dinge des Lebens zu kümmern.
Gerüchteweise soll es sogar Clubfans gegeben haben, die am Samstag beim Spiel in Bochum aus reinem Selbstschutz zu Hause geblieben sind. Das ganze Frustsaufen schlägt halt auch irgendwann auf die Leber. Außerdem sind Flüge nach Bukarest teuer und da müssen es dann schon das ein oder andere Mal eben ein bis zwei Bier weniger sein.
Ein bis zwei Bier weniger sind es wohl auch, die der arme Herr Rummenigge sich ab und zu genehmigen sollte… schon allein um der roten Nase Willen. Und vielleicht verschont er uns dann in Zukunft ja auch endlich mit seiner ständigen Jammerei. „Die Bundesliga braucht mehr Geld.“ Wie volltrunken muss man eigentlich sein? Im Selbstversuch habe ich am Wochenende gemerkt, dass selbst nach dem sechsten und siebten Bier kein Verständnis in mir aufzutreiben war. Ein mitleidiges Schulterklopfen vielleicht – der rührseligen Sentimentalität geschuldet, die mich nach erhöhtem Alkoholgenuss stets überkommt.
Ach, waren das noch Zeiten als der Karl-Heinz Ende der 70er Jahre eine Chance nach der Anderen versemmelte – aber wenigstens seinen Mund hielt. Bitte schön, Herr Vorstandsvorsitzender, natürlich investieren die Herren Milliardäre aus Russland allein, weil ihnen der einzelne Verein so sehr am Herzen liegt. Und Einfluss nehmen? Ach, wo denken Sie hin, Herr Rummenigge? Herr Abramowitsch ist doch stundenlang auf Knien vor Jose Morinho hergerutscht. Schließlich kostet so eine Abfindung doch auch Geld….
Und natürlich ist es auch reiner Zufall, dass in Jena ausgerechnet in die Diskussionen um einen russischen Investor ein gewisser Herr Ivanauskas mit seiner großen, internationalen Erfahrung Trainer wird. Aber lassen wir das. Lassen wir lieber den Herrn Rummenigge machen. Die Telekom lässt doch sicher noch ein paar Milliönchen springen und irgendeinen Scheich, der Bayern München toll findet, werden Sie doch wohl noch finden, oder nicht?
Dann können Sie auch endlich die Preise im Parkhaus der Allianz-Arena noch einmal erhöhen. Die billigsten Stehplätze kosten dann bald 50 Euro – und wer sich das nicht leisten kann, kann ja zu Hause Pay-TV abonnieren. Die günstigsten Angebote gibt es da schon ab 80 Euro pro Monat – das sind dann gerade mal 20 Euro pro Spiel (und das mit Sitzplatzgarantie und Überdachung).
Im Stadion sind dann sowieso nur die Leute gewünscht, die man heute noch auf den Tennisplätzen dieser Welt findet. Leute eben, die für eine Bratwurst auch gerne mal 15 Euro ausgeben, sich ansonsten aber ruhig verhalten.
Tja, Herr Rummenigge und dann ist das Geld endlich da, um auch als Ersatztorhüter noch einen Weltstar zu holen. Komisch nur, dass die dann trotz des Geldes nicht kommen – weil sie keine Lust haben, vor totenstillen VIP-Tribünen dem Ball hinterher zu rennen.