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Fussball-Bundesliga 2007/2008, 5.Spieltag
[Samstag, 15.09.2007 – 15.30 Uhr] 1.FC Nürnberg – Hannover 96 2:2 (0:2)

0:1 (12.) Mike Hanke
0:2 (39.) Mike Hanke
1:2 (60.) Zvjezdan Misimovic
2:2 (89.) Marek Mintal

Der 1.FC Nürnberg konnte am Samstag gegen Hannover zwar auch das dritte Heimspiel der Saison nicht gewinnen, hat aufgrund starker Teammoral jedoch auch die dritte Heimniederlage verhindern können. Dabei sah es zunächst noch so aus, als würden sich die Ereignisse der ersten beiden Heimauftritte wiederholen. Der Club erspielte sich Chancen, die leichtfertig vergeben wurden und auf der anderen Seite macht der Gast aus einer halben Chance ein Tor. Mike Hanke war nach einer Ecke in der 12. Minute irgendwie mit dem Scheitel an den Ball gekommen. Die Lederkugel fliegt an den Pfosten und von da aus ins Tor.
Ernüchterung machte sich breit und vergeblich versuchten die Rot-Schwarzen gegen dicht gestaffelte Hannoveraner zurück ins Spiel zu finden. Gute Chancen gab es erst wieder kurz vor der Halbzeit. Angelos Charisteas scheiterte jedoch in der 29. und 37. Minute. In der 39. Minute dann sogar der vermeintliche Todesstoß. Jaromir Blazek konnte einen Schuss von Hanno Balitsch zwar mit einem tollen Reflex noch abwehren, doch Dominik Reinhardt stand ungünstig zu seinem Gegenspieler und war somit nicht in der Lage, einen Kopfball von Mike Hanke zu verhindern. Glauber kam mit seinem Rettungsversuch auf der Linie zu spät. Mit einem 0:2-Rückstand ging es also in die Halbzeit und die dritte Heimniederlage schien so etwas wie beschlossene Sache – zumal die Männer von Hans Meyer auch in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit Mühe hatten, ins Spiel zu kommen.
Fast wie aus dem Nichts daher in der 59. Minute der Anschlusstreffer von Zvjezdan Misimovic. Der wieder genesene Javier Pinola hatte eine Ecke in die Mitte gebracht. Die zu kurz geratene Kopfballabwehr der 96er nahm Misimovic aus 19 Metern volley und ließ das Stadion jubeln.
In der Folge hatten die Clubberer den Dreh endlich raus. Der zur Pause für Peer Kluge eingewechselte Joshua Kennedy und Angelos Charisteas vergaben jedoch Chancen in Hülle und Fülle. In der 84. Minute sorgte dann noch einmal ein Niedersachse für Aufsehen. Christian Schulz erwies seinem Team einen Bärendienst und flog nach wiederholtem Foulspiel mit Gelb-Rot vom Platz. Durch die Überzahl noch einmal motiviert, erspielte sich der Pokalsieger auch in der Schlussphase noch hochkarätige Chancen – und wurde schließlich in der 89. Minute endlich belohnt.
Nach einer Flanke von Misimovic verunglückte die Hannoveraner Kopfballabwehr und landete vor Marek Mintals Füssen. Der Slowake, der schon in der Woche für sein Heimatland im Länderspiel gegen Wales zweifach getroffen hatte, markierte mit einem trockenen Schuss aus kurzer Entfernung seinen ersten Saisontreffer und sicherte dem Club einen letztlich hoch verdienten Punkt. Vor allem die Leistung in der letzten halben Stunde macht Mut für das UEFA-Cup-Spiel am Donnerstag gegen Rapid Bukarest.

DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Die Gunst des Fußballgottes

Berlin am Samstag, den 15. September 2007 um 16.09 Uhr. In der Stadt, in der der Club vor nicht einmal vier Monaten den größten Triumph seiner jüngeren Geschichte gefeiert hat, ist das Trübsal ausgebrochen – zumindest in einer kleinen fränkischen Enklave mitten in Charlottenburg. Mike Hanke hat soeben mit seiner ersten Torchance sein zweites Tor geschossen. Die Abwehr, die letzte Saison zusammen mit Schalke die beste der Liga war, irrt umher wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen kurz vor der Schlachtung. An ein Happy-End denkt zu diesem Zeitpunkt kaum noch einer – im Gegenteil: Einige aufmerksame Gesellen wollen in diesem Moment sogar das Abstiegsgespenst wieder im Max-Morlock-Stadion gesichtet haben.
Die Diskussionen in der Halbzeit drehen sich jedenfalls nicht um die glorreichen Zeiten des Pokalsiegs und spätestens als unsere UEFA-Cup-Teilnehmer in den ersten Minuten der zweiten Hälfte nahtlos an die Unsicherheiten der ersten Halbzeit anknüpfen, überlegt der ein oder Andere, ob er den sonnigen Samstag-Nachmittag nicht auch anderweitig verbringen könnte.
So – oder so ähnlich – sähe das sicherlich bei so manch anderem Verein der Bundesliga aus. Kaum läuft es mal nicht so rund wie gewohnt oder zumindest in jüngster Vergangenheit vorgegaukelt – die „Fans“ würden sich in Scharen wieder abdrehen, abwinken und ihren Helden den Rücken zukehren.
Doch zum Glück sind wir ja eben der Club und nicht nur irgendein fußballspielender Verein. Wir sind der Club und wir alle wissen: Der Club is a Depp! Und auch, wenn wir es nie und nimmer öffentlich zugeben würden: Genau deshalb lieben wir ihn. Und genau deshalb wurden nach knapp 60 Minuten im Frankenstüble in Berlin die ersten Rufe laut, wie: „Ach, endlich wieder mein Club!“ oder „Die guten alten Zeiten sind zurück.“
Doch was war das ? Mitten in die sehnsüchtigen Seufzer haut der Misimovic doch tatsächlich den Ball ins Netz. Der Bann ist gebrochen, das erste Heimtor schon im dritten Spiel erzielt. Welch Freude, welch Jubel – wir schaffen das….
Und in der Tat werden in den nächsten Minuten Chance versiebt, dass es auf keine Kuhhaut geht. Der Charisteas und der Kennedy haben ihren privaten Wettbewerb gestartet, wer die besseren Chancen auslassen kann. Also muss eben zum guten Schluss wieder der Mann ran, der gegen Hannover noch immer getroffen hat und sei es mit gebrochenem Mittelfuß. Der Treffer von Marek Mintal war vor allem deshalb so schön, weil er so kurz vor Schluss gefallen ist. Hätte mir vor dem Spiel jemand gesagt, dass wir gegen Hannover 2:2 spielen, wäre mir das zu wenig gewesen. So aber ging man letztlich mit dem guten Gefühl nach Hause, dass der Fußballgott sich doch noch nicht völlig vom Frankenland abgewendet hat.
Das angeblich gesichtete Abstiegsgespenst entpuppte sich in Wirklichkeit als die weiße Fahne, die die Hannoveraner für die zweite Halbzeit gehisst hatten und wer den Unterschied zwischen weißer Fahne und Gespenst erkennt, der sieht auch, dass die Gunst des Fußballgotts nicht von alleine kommt, sondern man sie sich hart erarbeiten muss. In diesem Sinne und nicht mehr: Gut gemacht, Jungs!